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Aktuelle Seite: StartChronikSonstige EreignisseHugos Manuskript 25.01.91
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25.01.91 Hugos Manuskript - Fanclub ElbflorenzDamen und Herren, liebe Anwesende!

Ich bitte hiermit 1. um Ruhe und 2. darum, von Beifallsbekundungen durch werfen von überlagertem Obst, Gemüse und Hühnerprodukten abzusehen.

FREUNDE, ELBFLORENTINER, LANDSLEUTE, liebe Gäste!

Ein Jahr liegt hinter uns - das ist unbestreitbar ein Jahr, in dem sich große politische Veränderungen ihren Weg brachen, ein Jahr der mannigfaltigsten Wahlen. Wir hatten im letzten Jahr beispielsweise die Volkskammerwahl, die Kommunalwahl, die Landtagswahl, die Bundestagswahl, die Wahl des täglichen Wahlessens, die Wahl des allabendlichen Fernsehprogramms, wir hatten auch noch Frank-Michael Wahl und wir hatten die erste demokratische Wahl eines Vorstandes des Fanclub Elbflorenz.

Durch diese wichtigste aller aufgeführten Wahlen wurden mit dem demokratischsten aller Wahlergebnisse, nämlich 100,0 %, die Weichen gestellt für eine großartige, leuchtende Zukunft unseres Clubs.

Ungefähr die Hälfte der derzeitigen Mitglieder des Clubs sind erst im letzten Jahr zu uns gestoßen. Ich bin sicher, dass ein Großteil davon nur durch die Anziehungskraft meiner leuchtenden Erscheinung zu uns gefunden hat. Aus diesem Grunde betrachte ich meine heutige Wiederwahl, für die ich mich hiermit offiziell bedanken möchte, als Garant für ein weiteres Aufblühen unseres Clubs.

Was haben wir nun im letzten Jahr konkret erreicht? Eins unserer Ziele war die Verankerung des FC Elbflorenz und des 1. FC Dynamo Dresden in einer neuzuschaffenden Verfassung. Von diesem Ziel haben wir Abstand genommen, da sich unser Land derzeit in einer derart schlechten Verfassung befindet, dass wir uns damit nicht gern in Verbindung bringen lassen. Ein weiteres Ziel war die sofortige Wiedervereinigung von Altstadt und Neustadt. Die Elbe sollte weg. Der Verwirklichung dieses Ziels sind wir zumindest ein Stück näher gekommen. Die Elbe ist im letzten Jahr noch ein Stück zähflüssiger geworden und ich bin der festen Überzeugung, dass sie spätestens in 5 Jahren so dickflüssig geworden ist, dass man bequem darauf laufen kann und sie kein trennendes Hindernis zwischen Altstadt und Neustadt mehr darstellt.

Fußballerisch ist uns im letzten Jahr der Ansatz zu einem Höhenflug gelungen, nachdem wir Erik, der sich ohnehin nur mit Schwarzen auf dem Fußballplatz prügelt, erfolgreich aus der Mannschaft verdrängen konnten und nachdem Artur endlich begriffen hat, wie man gültige Tore von der Eckfahne aus erzielt. Vielleicht ist das auch darauf zurückzuführen, dass wir endlich hin und wieder in einer Halle trainieren konnten, die uns Karsten organisiert hat. Das war übrigens sein einziger positiver Verdienst im letzten Jahr.

Über dieses Hallentraining lernten wir auch unsere neue und mittlerweile beste Freundin - die Zöllnerklause, welche von uns liebevoll und traditionsbewusst "ZK" genannt wird, kennen. Und da wir von Anfang an den Stammtisch unser Eigen nennen durften, ist sie nun allmontaglich ab 19.00 Uhr der Treff der verkrachten Existenzen, Alkoholkranken und Nichtsesshaften Mitglieder des Fanclubs.

Was ich mit diesen, meinen Worten zum Ausdruck bringen wollte, ist die Erwartung, dass von nun an mehr Clubmitglieder den Weg dorthin finden werden und der harte Kern des Clubs und der Vorstand nicht mehr zur lokalen Inzucht gezwungen werden. Für nicht Insider möchte ich noch mitteilen, dass sich dieser Hort der guten deutschen Gastronomie und des gepflegten Bieres in der Tieckstraße in der Neustadt befindet.

Schluck Wasser!

An dieser Stelle möchte ich mich der Arbeit des ersten demokratischen legitimierten Vorstandes unseres Clubs widmen. Fürwahr ein heikles Thema. Um es also mit Praline-Chefredakteur Jürgen Köpcke zu sagen: "Hosen runter Ihr Bonzen!"

Beginnen möchte ich mit Thomas Dietze. Ein Name der sicher in jedem das Gruseln hochkommen lässt, ein Name bei dem sich das Portemonnaie zur Faust ballt. Wer kennt nicht zur Genüge den Moment, wenn Thomas die penetrante Frage nach den fälligen Beiträgen stellt. Und was hat der Schatzmeister damit erreicht? Nichts! Wir konnten uns immer noch keine Verstärkung für unsere Mannschaft beim Fanclubturnier kaufen! Thomas, das war dürftig!

Unsere Chronik führte bis heute Christian Hubald. Zumindest, seit es uns gelang, Romy davon zu entbinden. Das er aber Sabine für Arbeiten an der Chronik einsetzte, die, wie die letzten Berichte Zeigten, nicht die geringsten Vorkenntnisse in deutscher Sprache und Rechtschreibung besitzt, ist zutiefst kritikwürdig.

Dass die Öffentlichkeit im letzten Jahr weitgehend von uns verschont wurde, haben wir Karsten Reisinger zu verdanken. Wir hätten seine Planstelle wohl nicht "Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit" sondern "Verantwortlicher für Geheimhaltung des Fanclublebens" nennen sollen. Sein Drang nach Heimlichtuerei ging sogar soweit, dass er in letzter Zeit nicht mal sich selber vom Fanclubleben informierte. Dass unsere Reklame "ELBFLORENZ - DER BEGRIFF FÜR KENNER" immer noch über der Leningrader Straße leuchtet, hat nichts mit Karsten Reisinger zu tun.

Jens Rudolph war Vizepräsident des Clubs. Dieser Titel sagt nichts über konkrete Aufgaben und Tätigkeiten aus. Und dem widmete er sich voll und ganz.

Bleibt nur einer, an dem alle Aufgaben hängenblieben - unser lieber Präsident - ICH. Ich habe also organisiert und besorgt und informiert, bin dorthin gegangen, dahin gefahren, habe telefoniert und geschrieben und alle möglichen Leute angehört. Und womit dankt man es mir? Heute habt ihr mir diesen elenden Job schon wieder aufgehalst! Doch diesmal ziehe ich andere Seiten auf. Jeder von euch - also nicht nur  der Vorstand - ist mir in diesem Jahr dermaßen unangenehm aufgefallen, das werde ich zu ändern wissen!

Zum Beispiel:

Thomas Rapps hat immer nur Schokolade im Sinn. Simone Weber, Peter Wagner und Uwe Morawitz lassen sich so gut wie überhaupt nicht mehr blicken. Carola Mann schreibt Briefe, ohne uns darin gebührend zu erwähnen.
Erik Weber versteckt sich hinter Wehwehchen, wenn entscheidende FC-Meisterschaftsspiele anstehen. Anja Thieme bringt Zimmi öfters durch unqualifiziertes Gekicher und Geschnatter aus dem Konzept. Jens Spreer fährt auf der Autobahn mit angezogener Handbremse. Katrin Milke hat von Fußball keine Ahnung und redet trotzdem darüber. Uwe Jäckel lässt beim Trinken aus fremden Flaschen Buhumis in selbigen zurück. Kerstin Tippmann setzt sich allein ins ZK, während alle anderen im Stadion frieren. Jens Müller hat in Gastätten ein Benehmen, dass man vor Lachen nicht zum Essen kommt. Sabine Hubald hat ein  flegelhaftes Benehmen, besonders ihrem Präsidenten gegenüber. Anne Härtling spricht bei Feten dem Teufel Alkohol über Gebühr zu. Anke Mallwitz zieht nicht nur zu kurze Röcke an, sondern vollführt damit auch noch obszöne Gesten. Burkhard Voß lässt sich durch Frauen und Arbeit vom Fußball ablenken. Angelika Kind ist kindisch steht hier. Das soll sicher heißen, sie  schnattert und lacht zu viel Zuviel. Mirko Meßner bleibt Fanclubmaßnahmen unentschuldigt fern. Thorsten  Dietze vergisst bei Schlägereien immer das aktuelle Datum. Und zuletzt noch Romy Trümpler. Romy bekommt ein Kind - aber von einem Fanclubfremden! Das ist zutiefst kritikwürdig!

Der einzige, der außerhalb jeder Kritik steht ist euer lieber Präsident! Doch ich will euch armen Sündern noch eine Chance geben. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem ihr alles vergessen machen könnt. Es ist der 10. Februar, mein Geburtstag. Und ich vertraue euch. Ihr werdet sicher Mittel und Wege finden um jede Kritik an euch aus meinem Gedächtnis zu tilgen.

Schluck Wasser!

Genossinnen und Genossen!

Oh - ich bitte vielmals um Entschuldigung, diese Passage stammte noch aus meinem Referat von vor 2 Jahren, das hat meine Sekretärin zu streichen vergessen.

Freunde, Elbflorentiner, Landsleute!
Fans, Ventile und Ventilatoren!
Präsente und Präservative!
Schrauben und Mütter!
Anwesende und Verwesende!

Eine beispiellose Zusammenarbeit verbindet unseren Club mit dem 1. FC Dynamo Dresden. Nicht nur, dass wir regelmäßig einen Platz im Dynamostadion für uns beanspruchen dürfen, nein bei Feiern im alten Presseraum werden wir auch liebevoll vom Pförtner betreut, welcher sogar wohlwollend feststellte, dass Dynamo nicht auf seine Fans angewiesen sei und der auch meinen tiefen inneren Humor erkannte, indem er mich als Lacher bezeichnete.

Sogar Jörg Stübner ließ uns nicht vor verschlossener Tür stehen, sondern öffnete erst um uns dann eine Abfahrt zu geben.

Besonders hervorheben möchte ich auch den hochinteressanten Briefwechsel, der sich in letzter Zeit zwischen uns und dem 1. FC Dynamo entwickelt hat. So möchte ich euch hier einen Auszug aus dem letzten Brief des Herrn Sawatzki, Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit bei Dynamo, vortragen.

Ich zitiere:
"Wie Ihnen sicher selbst in dieser schwierigen Zeit oft passiert, sind über Dinge sprechen, sprich Profilierung und damit auch Profieinstellung, diese praktisch, das heißt unter marktwirtschaftlichen Bedingungen umsetzen, nicht immer eine Sache. Was will ich damit zum Ausdrucke bringen."
Zitatende.

Ich glaube an dieser Stelle unterbrechen zu können. Denn was Herr Sawatzki damit zum Ausdruck bringen möchte ist sicher jedem, der die deutsche Sprache ein wenig sein Eigen nennt völlig klargeworden. Man kann sagen, der  tiefe innere  Sinn, die politische Brisanz dieser Äußerung drängen sich förmlich auf. Abschließend möchte ich noch einige Worte an unser neues Ehrenmitglied Ronny Teuber richten. Du darfst es als große Ehre betrachten, heute in unsere Reihen erhoben worden zu sein. Das stellt natürlich auch hohe Anforderungen an dich. Du bist zwar von der Beitragspflicht befreit, von einer anderen Verpflichtung können wir dich leider nicht entbinden. Jedes Clubmitglied hat sich bei den Spielen von Dynamo am Gemeinschaftplatz, nämlich im Block J fast ganz oben, aufzuhalten. Du kannst also nun nicht mehr sonst wo auf der grünen Wiese rumstehen, sondern bitte schön bei uns. Das verlangt die Clubdisziplin.

Um nunmehr ein Ende zu finden, spreche ich die Erwartung aus, dass wir uns in einem Jahr noch größer, schöner und zahlreicher als Fanclub des Spitzenreiters der Bundesliga zusammenfinden - natürlich unter unserem bewährten Slogan:

ELBFLORENZ - DER BEGRIFF FÜR KENNER

Lasset uns also beten für den Einzug der Dynamos in die 1. Bundesliga und singen wir gemeinsam den Psalm: "Wir sind der 12. Mann".

-HG- 25 Januar 1991